Nach 18 Jahren im Gefängnis, viele hiervon im Todestrakt, wurde Anthony Graves, 45, gestern auf Antrag der Staatsanwaltschaft freigelassen.
Graves war für schuldig befunden worden, gemeinsam mit Robert Earl Carter am 18. August 1992 Bobbie Davis, 45, dessen 16-jähriger Tochter Nicole und vier Enkeln im Alter von 4 bis 9 Jahren ermordet zu haben. Der damalige Staatsanwalt nannte Graves einen kaltblütigen Mörder. Graves wurde, wie auch Carter, zum Tode verurteilt.
Carter wurde im Jahr 2000 hingerichtet. Zwei Wochen vor seinem Tod gab er eine eidesstattliche Erklärung ab, dass Graves nichts mit den Morden zu tun hatte. Diese wiederholte er in der Hinrichtungskammer. "Anthony Graves hatte nichts damit zu tun.... Ich habe ihn im Gericht angelogen."
Es gab zu keiner Zeit überwältigende Beweise gegen Graves, die Anklage stützte sich hauptsächlich auf die Aussage Carters.
Journalismus-Studenten der Universität von St. Thomas arbeiteten jahrelang gemeinsam mit dem Innocence Project der Universität Houston an dem Fall Anthony Graves und untersuchten jedes Detail. Über die Jahre wurde immer deutlicher, dass Graves weder am Verbrechen beteiligt war noch davon gewusst hatte – genau so, wie Graves es schon 1992 geschildert hatte.
Sechs Monate lang hat die Staatsanwaltschaft nun den Fall neu untersucht. Staatsanwalt Perham sagte: "Nach Monaten der Untersuchung und sprechen mit jedem zeugen, der jemals in den Fall verwickelt war und mit Menschen, mit denen noch nie gesprochen wurde, nachdem wir jeden Stein umgedreht haben, den wir finden konnten, haben wir nicht einen glaubhaften Beweis gefunden, der Anthony Graves mit der Ausführung dieses schweren Mordes in Verbindung bringt."
Staatsanwalt Perham reichte den Antrag ein, Anthony Graves freizulassen. "Er ist ein unschuldiger Mann," sagte Perham. "Es gibt nichts, was Anthony Graves mit dem Fall in Verbindung bringt. Ich habe es getan, weil es das Richtige war."
Anthony Graves wurde gestern um 17.30 Uhr aus dem Gefängnis entlassen und kehrt heim zu seiner Mutter nach Brenham.
Anthony Graves' Vortrag bestach durch seine unglaublich ehrliche, authentische Art. Es schockiert, dass ein so sympathischer Mann 18 schreckliche Jahre in der Todeszelle durchleben musste - und man bewundert, dass er bei all der Ungerechtigkeit, die ihm angetan wurde, insgesamt sanftmütig geblieben ist.
AntwortenLöschenAllerdings fehlen Informationen und ein Überblick über die Rechtslage in den USA, was man sich jetzt beschaffen sollte, um urteilen und handeln zu können. Auch das Thema Rassismus wurde nicht angesprochen, was aber wahrscheinlich diesen Vorfall erst möglich machte.
Der heftige Vortrag hat motiviert, sich mehr mit dem Thema auseinander zu setzen, auch wenn es weit entfernt scheint!
Zum Glück haben wir in Deutschland nicht die Todesstrafe !!!
AntwortenLöschenEs ist schlimm einen Menschen (Anthony Graves) zu Unrecht zu verurteilen.
In Deutschland heißt es glücklicherweise:
"Im Zweifel für den Angeklagten."